Die häufigsten Missverständnisse

 

Warum Paare sich immer wieder missverstehen

 

Typische Konflikte in der Beziehung – mit dem Wertequadrat (nach Schulz von Thun) unter die Lupe genommen.

 

 

Viele Paare, die zu mir in die Paartherapie kommen, sagen einen ganz ähnlichen Satz:

 

Wir streiten ständig – und wissen eigentlich gar nicht mehr, worüber.“

 

 

Es geht scheinbar um Kleinigkeiten: Haushalt, Kinder, Termine, Ordnung, Entscheidungen oder unterschiedliche Prioritäten. Doch die Gespräche enden immer wieder im gleichen Muster aus Vorwürfen, Rückzug oder Frust.

 

 

Vielleicht kennen Sie das auch.

 

 

Sie haben das Gefühl, sich zu bemühen – und trotzdem fühlt sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin nicht verstanden.

 

 

In meiner Arbeit als Paartherapeutin erlebe ich das täglich: Hinter diesen Konflikten stecken selten böse Absichten und noch nicht einmal fehlende Liebe. Viel häufiger sind es eine Art Missverständnisse in der Kommunikation. Die starken Gefühle entstehen aufgrund eines ungelösten Konfliktes, der angetriggert wird. Diesen Konflikt nenne ich: Grundkonflikt. Er kann mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Wertvorstellungen zu tun haben, die unbewusst gegeneinander arbeiten und sich sogar gegenseitig verstärken.

 

 

Ein Modell, das hier sehr hilfreich ist, ist das sogenannte Wertequadrat (auch

Entwicklungsquadrat genannt, von Friedemann Schulz von Thun). Es hilft Paaren zu verstehen, warum sie sich, trotz guter Absichten, immer wieder missverstanden fühlen.

 

 

Jeder erlebt sich selbst auf der „guten Seite“ – und den anderen auf der

problematischen.

 

Bei dem Wertequadrat stehen oben die jeweils positiven „Schwestertugenden“. Also z.B. Sparsamkeit und Großzügigkeit. Sie werden aber von den Partnern jeweils als übertrieben wahrgenommen. In diesem Fall als Geiz und Verschwendungssucht. Anstatt sich anzunähern, macht jeder mehr des selben. „Ich kann ja jetzt nicht auch noch so verschwenderisch sein“ oder „Soll ich etwa genauso geizig sein, wie du?“

So verstärken die Unterschiede sich auch noch gegenseitig. Es entsteht ein Teufelskreis.

 

 

Die häufigsten Missverständnisse in Partnerschaften:

 

A: „Du kontrollierst mich ständig! Nie kann ich etwas richtig machen. Du willst über mich bestimmen.“

 

B: „Wenn du es richtig machen würdest, müsste ich dich ja nicht kontrollieren! Übernimm endlich Verantwortung, dann könnte ich mich auch entspannen. Bestimmen will ich natürlich nicht. Ich würde mich freuen, wenn du mal entscheidest. Aber verantwortungsvoll.“

 

 

Beide handeln aus positiven Motiven. Nur kommen diese beim Gegenüber ganz anders an. Da, wo sie sich anfangs gut ergänzten, gehen sie später miteinander in Konkurrenz. Es entwickelt sich ein Teufelskreis, eine Dynamik, durch die die Schattenseiten immer stärker hervortreten. Sie polarisieren sich immer mehr, statt sich eine Scheibe vom andern abzuschneiden.

 

 

Verantwortung wird als Kontrolle wahrgenommen und Freiheitsliebe als Egoismus.

 

A: „Ich habe das Gefühl, ich bin für alles alleine zuständig.“

B: „Wenn ich etwas tue, ist es ohnehin nicht richtig. Egal, was ich tue, es reicht nie.“

 

B: „Ich fühle mich in die Ecke gedrängt, kontrolliert und bevormundet“

A: „Ich müsste dich ja nicht kontrollieren, wenn du selbst an alles denken würdest.“

 

Je mehr der eine organisiert, desto mehr zieht sich der andere zurück.

 

 

Ehrlichkeit ohne Taktgefühl wird verletzend und Rücksichtnahme ohne Aufrichtigkeit wird zur Unehrlichkeit.

 

A: „Immer soll ich dir Bericht erstatten. Du vertraust mir nicht.“

B: „Nie erzählst du etwas von dir. Wenn du offener wärst, wüsste ich woran ich bin.“

 

Je mehr der eine stochert, desto verschlossener wird der oder die andere.

 

 

Engagement wird als Verbissenheit gesehen und Gelassenheit als Passivität

 

 

Fürsorge erscheint übergriffig und respektvolle Zurückhaltung kommt als Desinteresse an.

A: „Du bist nicht meine Mutter. Glaubst du, ich kann das nicht alleine?!.“

B: „Du kümmerst dich nicht um mich, ich bin dir egal“

 

 

Großzügigkeit kommt als Verschwendung an und Sparsamkeit als Geiz.

 

 

Verbindliche Zuverlässigkeit kann zur Starre und Festgefahrenheit werden. Spontanität kann Unzuverlässigkeit mit sich bringen.

 

 

Der eine möchte authentischen Kontakt und Reibung, der andere Harmonie um jeden Preis.

 

 

Zielstrebigkeit kann zu übertriebenem Ehrgeiz werden und Entspannung zu Faulheit.

 

 

A: „Du könntest wirklich mehr Sport machen und dich besser ernähren, dann würde ich dich auch wieder attraktiver finden“

B: „Ich akzeptiere mich halt so, wie ich bin und verausgabe mich nicht so sehr, wie du. Du mit deiner ewigen Selbstoptimierung“

A: „Du mit deiner Faulheit“

 

Auch hier kämpfen beide eigentlich für etwas Gutes – nur aus unterschiedlichen

Richtungen.

 

Um so mehr der eine in die eine Richtung zieht um so stärker zieht der andere in die andere Richtung.

 

Wann ist aus der Ergänzung die Konkurrenz geworden? Warum ist das Wohlwollen abhanden gekommen? Diese Fragen können in der Paartherapie erforscht werden.

 

Was sich verändert, wenn Paare die Dynamik verstehen:

 

Wenn Paare erkennen, dass sie nicht gegeneinander, sondern für unterschiedliche Werte

kämpfen, entsteht Entlastung. Statt Vorwürfen entsteht Verständnis.

 

 

 

Paartherapie: Beziehungsprobleme nachhaltig lösen

 

In meiner Praxis unterstütze ich Paare dabei,

  • typische Konfliktdynamiken zu erkennen

  • Kommunikationsmuster zu verändern

  • gegenseitige Werte besser zu verstehen

  • wieder in einen respektvollen Dialog einzutreten

 

Viele Beziehungsprobleme entstehen nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus

mangelndem Verständnis.

 

 

Fazit:

 

Was als Verantwortung, Ehrlichkeit, Respekt oder Engagement gemeint ist, wirkt auf den Partner

manchmal wie Kontrolle, Verletzung, Gleichgültigkeit oder Druck.

Das Wertequadrat hilft, diese Dynamiken sichtbar zu machen – und neue Wege der Kommunikation zu eröffnen.

Praxis für Paartherapie Hamburg
Nina Zucker

Eine Paartherapie kann Ihnen dabei helfen, Offenheit, Lebendigkeit und Freude in Ihre Beziehung zurückkehren zu lassen.